John Greene: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

21. Oktober 2012  

John Greene, der Autor von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, ist in den USA bereits ein absoluter Superstar.
Bei seinen öffentlichen Auftritten löst er bei Jugendlichen Emotionen aus, wie wir das ansonsten nur von Autoren wie J. K. Rowling oder Stephenie Meyer gewohnt sind.
Mit seinem Online-Video-Blog verdient er soviel Geld, dass er im Grunde genommen gar keine Bücher schreiben müsste.
Zum Glück tut er es trotzdem.
Es wird allgemein erwartet, dass er mit seinem neuen Roman auch in Europa den Durchbruch schaffen wird. Die Erwartung ist berechtigt, denn das Buch ist eine Sensation. Und das, obwohl uns das Thema äußerst unbequem erscheint:
Es geht um Krebs bei Jugendlichen.

Hazel, die sechzehnjährige Ich-Erzählerin, weiß, dass sie ihr 17. Lebensjahr aufgrund ihrer geschwächten Lungen nicht vollenden wird. Sie lernt in einer Selbsthilfegruppe den siebzehnjährigen Augustus kennen, dem es kaum besser geht, denn er kann wegen seiner Knochenkrebserkrankung kaum noch richtig laufen und fährt deswegen meistens mit dem Auto.
Die beiden haben eine Gemeinsamkeit: Sie lieben Bücher, auch wenn der Geschmack kaum unterschiedlicher sein könnte. So kommt es, dass sie sich näher kommen, und zwischen den beiden entwickelt sich eine betörende Liebesgeschichte.
Der Roman gerät dann zu einer Art Road-Movie, denn Hazel und Augustus verlassen die USA und reisen nach Amsterdam, wo sie Hazels Lieblingsautor zu treffen und damit ihren Traum zu erfüllen hoffen: eine fast unwirkliche Strapaze für eine sechzehnjährige, die ohne ihr Beatmungsgerät und ihre tragbare Sauerstoffflasche kaum einen Tag überleben würde sowie für einen siebzehnjährigen, der kaum zwei Schritte ordentlich gehen kann.

Das Buch ist überhaupt nicht langweilig und niemals sentimental. Dafür ist es häufig skurril, manchmal sarkastisch und immer witzig.
Die Kunst des Autors besteht darin, die Erwartungen des Lesers stets zu enttäuschen: Denkt man gerade, dass es jetzt ganz entsetzlich werden könnte, so wird man anstatt dessen zum Lachen gebracht. Glaubt man, die Situation ist entspannt, so wird einem anschließend der Ernst der Lage präsentiert. Auf diese Weise erlebt man eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle.
Das macht das Buch so packend, bis zum Schluss.
Der Autor selbst zieht aus der Geschichte das Fazit, dass auch ein kurzes Leben sich sehr lohnen kann.
Nach der Lektüre des Romans ist man geneigt, ihm recht zugeben.
Heranwachsende (ab 15 Jahren), denen Fantasy und Zauberei zu wenig ist und die sich lieber an die ganz großen Fragen des Lebens heranwagen möchten, werden von diesem Buch begeistert sein.
Aber auch so manch Erwachsener wird die pointierte Sprache und den unvergleichlichen Witz des Autors lieben.

John Greene: Das Schicksal ist ein mieser Verräter, Hanser Verlag, 16,90 €
EAN 978-3-446-24009-4

Georg Ruhmann