"Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms

So. 15.11.2009 um 20.00 Uhr

in St. Sophien Barmbek

Johannes Brahms „Ein deutsches Requiem“

Corinna Bergemann – Sopran

Benno Schöning – Bass

Philharmonia Chor Hamburg

Harvestehuder Sinfonieorchester

Ltg. Clemens Christof Bergemann

Karten zu 21 Euro bei der Konzertkasse
Gerdes, allen bekannten Vorverkaufsstellen,
an der Abendkasse und im Internet unter
http://www.philharmonia-chor.de/ .

Johannes Brahms „Ein deutsches Requiem“ nach Worten der Heiligen Schrift für Soli, Chor und Orchester (Orgel ad lib.) op. 45

Keines der insgesamt sieben Chorwerke von Johannes Brahms kann sich seit seiner Uraufführung im Bremer Dom am Karfreitagsabend des Jahres 1868 so ununterbrochen anhaltender Rezeption und Aufmerksamkeit rühmen wie Ein deutsches Requiem. Mag noch die Alt-Rhapsodie, die Brahms seinen Brautgesang nannte, ebenso bewegen; Rinaldo oder den Gesang der Parzensucht man heute in den Konzertsälen vergeblich.
Für Brahms selbst war Ein deutsches Requiem nicht nur der erste große Konzerterfolg, um den er nach kammermusikalischen Versuchen und kaum vernehmbarer Resonanz so sehr gerungen hatte, sondern auch gleichsam das Öffnen jenes Tores, das von der Last Beethovens befreite und ihn den Weg zu seinen Sinfonien, Ouvertüren und Konzerten finden ließ.
Neben der Suche nach Anerkennung seiner kompositorischen Leistung ist eine ganze Reihe von Verlusterfahrungen emotionaler Impuls für die Beschäftigung des noch jungen Brahms mit dem Thema des Todes, die zu seinem Trostgesang führten. 1854 hatte er den Selbstmordversuch seines Freundes und Förderers Robert Schumann miterleben müssen, dem zweijährige Krankheit und schließlich der Tod folgen sollten. Wenige Jahre später erschütterten ihn der Bruch mit der ihm sehr nahestehenden Agathe Siebold und eine wachsende Entfremdung von Clara Schumann. 1865 starb seine innig geliebte Mutter. Nicht zuletzt beschäftigte Brahms, der politische Ereignisse verfolgte, sich aber nie dazu öffentlich äußerte, der drohende und dann einsetzende Krieg zwischen Preußen und Österreich 1866.
Obgleich Ein deutsches Requiem heute unangefochten als geistig-künstlerisches Zentrum im Schaffen des Komponisten angesehen wird, hat es nach seiner Uraufführung doch zu erheblichem Widerspruch und massiver Kritik herausgefordert. Die Verstörung, die Brahms mit der Metamorphose eines zentralen Bestandteils der katholischen Liturgie – der Totenmesse – hervorrief, kann nicht groß genug vorgestellt werden. So fand die Uraufführung unter Einfügung von Stücken aus Bachs Matthäus-Passion und Händels Messias statt. Die Texte dieser Musik sollten den fehlenden Gedanken des Erlösungstodes Jesu Christi kompensieren, der im Chorwerk Brahms’ nicht auftaucht. Damit traf man die empfindlichste Stelle des Werkes: seine ungewohnte, befremdliche Diesseitigkeit.
Die schwindelerregende Kombinationskraft Johannes Brahms’ irritierte seine Zeitgenossen, die sich mit traditionellen Gattungsbegriffen wie Oratorium, Sinfonie, Motettisches oder Kantatenhaftes einen Weg zu diesem Stück zu bahnen suchten, ebenso sehr wie seine Kritiker, die ihn abseits der neudeutschen Schule eines Liszt oder Wagner als Akademiker und Klassizisten betitelten. Ganz gleich, unter welchen Vorzeichen sich der heutige Hörer diesemTrostgesang nähert: seiner Anziehungskraft wird er sich kaum verschließen können.

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