Piotr Krauze

Als ich mich der Gemeinde Sankt Sophien anschloss, hatte ich die starke Vermutung, dass ich dort auch polnische Gemeindemitglieder treffen würde, denn wo sonst wären sie zu finden, wenn nicht in einer katholischen Kirche! Ich war daher sehr erfreut, gleich am Anfang Piotr Krauze kennen zu lernen, mit dem ich mich sofort auf Polnisch austauschen konnte. Genauer vielleicht: auf Polnisch und Deutsch, denn Piotr spricht beide Sprachen fließend. Mittlerweile ist Deutschland zu seiner zweiten Heimat geworden.

Hamburg war für ihn eigentlich nur als kurze Zwischensta-tion in seinem Leben gedacht. Er wollte hier auf einem Schiff arbeiten, um als Steward die Kosten für die Reise nach Australien zu seinem Bruder abzuarbeiten: „Und was für ein Wun-der – ich habe die Stelle nicht bekom-men! Später habe ich mich als wahrer Euro-päer entpuppt – in Australien wäre ich unglücklich gewe-sen“.

Dass es gerade Deutschland sein musste, wäre ihm früher nie durch den Kopf gegangen: „Meine Familie hat während des 2. Weltkrieges sehr unter der deutschen Okkupation gelitten, viele sind umgekommen und wurden ermordet, und ich habe mir gesagt, ich möchte überall leben nur nicht in Deutschland! Und plötzlich bin ich in Hamburg für immer gestrandet! Gott sei dank“.

Er ist endlos dankbar dafür, in Deutschland so viele hilfsbereite, tolle Menschen kennen gelernt zu haben. Hier gründete er eine Familie und konnte sich persönlich sehr gut entfalten. Wie ich erfahre, hat er jede Möglichkeiten auch an seine beiden Töchter weitergegeben, von denen eine acht Sprachen spricht! – Chinesisch nicht ausgenommen.

Auf Grund seiner Tätigkeit als Redakteur und Verleger einer politischen Zeitschrift haben er und seine damalige Frau 1985 das Asyl zuerkannt bekommen.

Die Jahre darauf betätigte sich Piotr als Initiator unzähliger kultureller Veranstaltungen (u.a. mit polnischen Künstlern) und war ebenfalls stolzer Organisator der ersten Miss-Wahl in Europa für polnische Staatsbürgerinnen, die im Ausland lebten.

Wer glaubt, dass dies schon alle Aktivitäten von ihm waren, der täuscht sich! Seine Haupttätigkeit („…und meine Berufung“) ab 1990 – war und ist weiterhin die Tätigkeit als Reiseveranstalter. „Dies haben auch Mitglieder der Sankt Sophien Gemeinde zu spüren bekommen (er lacht) – schon viele Male waren wir gemeinsam unterwegs – neulich in Polen“. In Juli 2010 plant er eine spannende und interessante Reise zu den norwegischen Fjorden.

Eine seiner weiteren spannenden beruflichen Tätigkeiten, die man auch mit Hobby gleichsetzen kann, ist die Ahnenforschung.

„Ganz nebenbei“ ist er auch noch Mitglied des Kirchenvorstandes in Sankt Sophien und der Sportgruppe. Einmal im Monat betätigt sich Piotr als Fahrer und kutschiert die älteren Gemeindemitglieder zur Kirche und dann wieder zurück nach Hause.

Als ich ihn nach seinen Hobbys frage, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Brücken !“ Dies ist sowohl im architektonischen als auch übertragenen Sinne zu verstehen, denn sein neuestes, bewundernswertes Vorhaben geht in die Richtung des „Brückenschlagens“.

Piotr gründet demnächst das katholische Johannes Prassek Werk. „Was ist das?“
„Es dauert zu lange, es alles im Detail zu erzählen. Wer Interesse hat, den lade ich dazu ein, bei mir anzurufen. Tel. 0176 – 431 050 74.“ Johannes Prassek – er wurde in der Sankt Sophien Kirche getauft – ist eine herausragende Gestalt, an der man sich auch heute ein Beispiel nehmen sollte. Das Werk will unter anderem die deutsch-polnische Verhältnisse stärken.

Bei der Frage nach der Zukunft für die Kirche knüpft Piotr ebenfalls an den Gedanken des Brückenschlagens an: „So wie wir eine europäische Union haben, so sollte es auch einen Gedanken der Einheit und Gemeinschaft unter den europäischen Kirchen geben“. Das wünscht er sich insbesondere für die deutschen und polnischen Kirchen.

Glaube und Gebet spielen bei ihm eine zentrale Rolle. Sein Glaube an Wunder, wobei es ihm um die Wunder geht, die auf uns im Alltag warten und die uns auch zu etwas Ungeplantem bewegen, hat mich sehr gerührt. Denn ist es nicht unsere Aufgabe, genau diese Zeichen und Wunder zu erkennen und als solche wahrzunehmen? Ebenfalls bin ich von Piotrs Demut beeindruckt:„Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich täglich bete und um Hilfe bitte. Ohne Hilfe von oben hätte ich nichts geschafft. Sehr oft kommt die erwünschte Hilfe doch nicht, aber das macht nichts – man muss Vertrauen haben, denn wahrscheinlich war das so besser für mich und es ist nur ein Ansporn vielleicht andere Wege zu gehen. Bloß nicht schlapp machen, nicht verzweifeln und an erster Stelle nicht vergessen dankbar zu sein – unserem Gott, der Mutter Gottes und den Mitmenschen“. Ich denke, dem ist nichts hinzuzufügen außer einem großen Dank an Piotr für das „anspornende“ Gespräch!

Ewelina

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