Pfarrer Gerhard Hawighorst

Eine Grabplatte als bleibende Erinnerung – Der Steinmetz Torben Bohnhoff schenkt der katholischen Kirchengemeinde Sankt Sophien die Restaurierung einer Grabplatte
Im vergangenen September machte die Verwaltung des Hamburger Hauptfriedhofes Ohlsdorf die Gemeinde Sankt Sophien in Hamburg-Barmbek darauf aufmerksam, dass es dort noch die Grablage ihres früheren Pfarrers Gerhard Hawighorst (1962) gäbe. Die Gemeinde hatte bereits mehrfach die Ruhezeit verlängern lassen, die Frage hiernach stellte sich nun erneut. Doch nach 50 Jahren war von dem Grab nur noch die Grabplatte sichtbar, und die hatte während dieser langen Zeit sichtbar gelitten, man entschloss sich daher, auf eine weitere Verlängerung der Ruhezeit zu verzichten. Daraufhin bot die Friedhofsverwaltung an, die Grabplatte der Gemeinde zu überlassen, ansonsten müsse sie vernichtet werden.
Der Kirchenvorstand beschäftigte sich nun mit dieser Angelegenheit, denn für das Entfernen und das Restaurieren sowie die Überführung der Grabplatte zur Gemeinde wurden Kosten von etwa 1500 Euro geschätzt: eine ernüchternde Prognose. Angesichts der vielen Dinge, die in der Gemeinde wegen Geldmangels liegen bleiben müssen, empfand man eine solche Ausgabe als unvertretbar. Folgende Frage steht hierhinter: Soll eine notorisch unterfinanzierte Kirchengemeinde für rein historische Zwecke soviel Geld aufwenden? Ja, sie soll, so lautete zumindest der Beschluss des Vorstands. Dazu muss gesagt werden, dass der Pfarrer Hawighorst für die Gemeinde eine kaum zu überschätzende Bedeutung hat, auch wenn viele vielleicht das gar nicht mehr wissen. Seine Arbeit wirkt bis heute nach. Er war der erste Pfarrer der Gemeinde nach dem 2. Weltkrieg. In seiner Zeit wurde die Seelsorge wieder aufgenommen, die schwer beschädigte Kirche wieder instandgesetzt und sogar die Schule wiedereröffnet. Wenn man eine bleibende Erinnerung an diesen Mann hätte, das wäre ein echtes Geschenk. Doch die Kosten sind im Grunde genommen zu hoch, man beschloss daher, die Sankt Sophien Fundraising-Gruppe mit der Suche nach einer Lösung zu beauftragen.
Diese begann daraufhin, verschiedene Handwerker zu kontaktieren, auf der Suche nach jemandem, der die Sache unentgeltlich erledigen würde. Und man wurde fündig: Torben Bohnhoff aus Geesthacht, der in der Nähe des Ohlsdorfer Friedhofes einen Steinmetzbetrieb führt, war sofort bereit zu helfen. Der 26-jährige gelernte Steinmetz und Steinbildhauermeister interessiert sich für soziale Projekte und sagte daher zu, sämtliche anfallenden Arbeiten ohne Bezahlung ausführen zu wollen. Was für ein tolles Ergebnis!
Torben Bohnoff begann auch wenig später mit der Arbeit. Zunächst musste die zentnerschwere Platte aus Sandstein mit Spezialgerät entfernt werden, was die Friedhofsverwaltung nur geschulten Personen gestattet. Danach wurde sie im Betrieb des Steinbildhauermeisters mit Hilfe von Chlorlauge in sieben Gängen gereinigt, was mehrere Tage dauerte. Anschließend musste sie noch getrocknet und imprägniert werden. Zum Schluss erfolgte der Transport zur Gemeinde, dort liegt sie jetzt vor der Kirche auf einer Grünfläche zur Weidestraße hin.
In der Gemeinde freut man sich jetzt, dass man eine Erinnerung an Gerhard Hawighorst hat. Torben Bohnhoff wird zum Dank eine Urkunde erhalten, außerdem wird die Gemeinde ihn anhand von verschiedenen Maßnahmen öffentlich würdigen.

Weitere Bilder von der Aktion

Der Fall zeigt noch etwas anderes: Manchmal findet man auch Hilfe dort, wo man sie nicht vermuten würde. Der mutige Schritt, um unentgeltliche Unterstützung zu bitten, wurde hier prompt belohnt. Es ist ein klassisches Beispiel für eine erfolgreiche Fundraising-Maßnahme, das andere Gemeinden motivieren kann, in dieser Richtung ebenfalls etwas zu unternehmen.

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Georg Ruhmann