Kirche in den sozialen Netzwerken – Chance oder notwendiges Übel?

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Zugegeben, die Frage ist ein wenig provokativ gestellt aber sie spiegelt ungefähr das Feedback wieder welches ich erhalte wenn ich „Sankt Sophianer´n“ von meiner Tätigkeit in der PR-Gruppe erzähle. Denn ich betreue für Sankt Sophien u.a. auch eine eigene Facebook Seite.
www.facebook.com/sanktsophien (Keine Angst! Sie dürfen ruhig auf den Facebook Link klicken auch wenn Sie kein Profil dort haben – es passiert nichts Schlimmes 🙂 )
Spätestens beim „bösen“ Wort Facebook schlagen viele entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen. Mein Nachbar ist 67 Jahre alt und bezeichnet sich selber liebevoll als „Generation Papier“. Von daher sind mir solche emotionalen Ausbrüche bestens bekannt.
Nach anfänglicher Abwehrhaltung und der o.g. eingehenden Frage, kommt dann aber doch die Neugierde durch und viele wollen es doch etwas genauer wissen. Deshalb möchte ich gerne mal eine Lanze brechen für die vielen tollen Profile der Bistümer und Kirchen, welche sich auf Facebook, Twitter, Instagram etc. tummeln.
Selbst unser Papst „twittert“ fleißig frohe Botschaften. https://twitter.com/pontifex_de
Ob nun der liebe Franziskus persönlich twittert sei zwar dahingestellt, aber der Vatikan zeigt sich somit doch sehr weltoffen gegenüber den sozialen Netzwerken. Und auch die Kirche in Deutschland befürwortet den Onlineauftritt: http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse/2012-109a-Ueberlegungen-Social-Media-Guidelines.pdf
Zu aller erst etwas zur Beschwichtigung: Man kann auch ohne Facebook Profil sehr gut leben und durchaus informiert sein. Aber immerhin sind Sie bereits online unterwegs, denn Sie lesen diesen Artikel und unsere Webseite basiert letztendlich auch auf ein Tool/Programm, welches sich „WordPress“ schimpft und somit auch klassisch zu den sozialen Netzwerk Profilen zählt. Gratulation!
Es ist zwar selbstredend, aber ich möchte auch nochmal explizit erwähnen, dass es immer einen sensiblen Umgang mit personenbezogenen Daten geben muss. Auch aus kirchenrechtlicher Sicht gibt es einiges zu beachten, wenn man seine Pfarrei im world wide web vertritt.
Ich bin hauptberuflich Online-Marketing Managerin und bediene diverse soziale Netzwerk Profile meines Unternehmens. Ebenso bin ich, wie bereits oben schon erwähnt, Mitglied unserer PR-Gruppe und betreue u.a. auch die Homepage auf der Sie sich gerade befinden.
Ich lese online sehr gute Artikel von anderen kirchlichen Seiten, welche ich gerne auch an Dritte weiterleite. Unter anderem hat Pater Philipp König  (auch er besitzt ein Facebook Profil) zum Teilen des folgenden Links aufgerufen: https://peterwegs.wordpress.com/2015/08/06/bitte-vergesst-uns-nicht/
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Mit unserem „Sankt Sophien“ Facebook Profil haben wir eine große Reichweite zu Menschen unterschiedlichen Alters, die unser Profil besuchen. So kündigen wir dort auch gerne Veranstaltungen + Konzerte unserer Gemeinde an. Ebenso „posten = veröffentlichen“ wir dort auch unsere interessanten Artikel die Sie auch auf unserer Webseite finden. Die sozialen Netzwerke leben, etwas grob gesagt, durch Teilen von Beiträgen.
Andere Kirchenprofile können unsere Beiträge wiederum auf ihren Profilen weiterempfehlen und somit wird die Reichweite ein weiteres Mal erhöht. Dadurch ergeben sich einige Vorteile:

  • Zugezogene die zum Beispiel auf der Suche nach einer neuen Gemeinde sind, finden vielleicht bei uns Anschluss.
  • Menschen lesen von unseren Veranstaltungen und besuchen unsere Kirche.
  • Aktuell bewerben wir auch schon unsere“ Meister Eckhart“ Veranstaltung welche im Rahmen der „Nacht der Kirchen am 12.09.2015“ stattfinden wird.
  • Auch über unsere Dominikaner berichten wir ab und an.
  • Ebenso haben wir in Facebook auf unsere Spendenaktion für Flüchtlinge hingewiesen und daraufhin sogar Resonanz erhalten.
  • ……die Liste ließe sich noch fortsetzen.

Die Facebook Seite vom Erzbistum Hamburg www.facebook.com/erzbistumhamburg ist hervorragend gepflegt und liefert viele nützliche Artikel und Fotos zu Aktionen und aktuellen Themen. Das Bistum Essen www.facebook.com/bistumessen hat gerade eine tolle „virale“ Aktion zum Thema Flüchtlinge gestartet. (Anmerkung: Viral bedeutet online, dass sich etwas sehr schnell & weitreichend verbreitet – eben wie Viren)
So posten derzeit viele Christen ein Foto von sich auf dem Sie mit ihren Händen den Buchstaben W formen. Dieses steht für „W“ illkommen und symbolisiert Sympathie mit den Flüchtlingen.
O-Ton der Bistums Seite zu dieser Aktion:
[Wir haben die Schnauze voll von „besorgten Bürgern“, die hier bei Facebook rechtes und fremdenfeindliches Gedankengut verbreiten. Lass uns gemeinsam ein Zeichen setzen und deutlich machen: Bei uns sind Flüchtlinge willkommen! Mach mit und poste ein Foto von dir mit einem „W“!]
Es lassen sich noch viele weitere tolle Aktionen und Artikel/Filme von den Kirchenprofilen der sozialen Netzwerke berichten doch das würde hier sicher den Rahmen sprengen. Bei Gelegenheit werde ich eine Fortsetzung schreiben.
Unter uns Online-Marketing Leuten gibt es ein, mittlerweile legendäres berühmtes, Zitat von Matthias Horx (wohlgemerkt Trend und Zukunftsforscher) „Das Internet wird kein Massenmedium – weil es in seiner Seele keines ist.“ (2001) Irren ist halt menschlich.
Herzliche Grüße
Susanne Jahn (PR-Gruppe)