Acht Schulen in unserem Bistum sollen geschlossen werden


Eine düstere Woche haben wir hinter uns. Das Bistum verkündete am Freitag, dass auch die Sankt Sophien Schule geschlossen werden soll, falls kein neuer Träger gefunden wird.
Angeblich sei diese Entscheidung durch die finanzielle Lage begründet.
Man fragt sich aber, ob das Bistum sich über die Auswirkung im Klaren ist.
Sollte die Schule geschlossen werden und somit auch der Kindergarten, gibt es kaum noch Kinder in unserer Gemeinde. Bibeltag, Erstkommunion, Messdiener, Firmung und Kinder- und Jugendfreizeit wird es nicht mehr geben. Auch Familienkreise werden dann nicht neu gegründet. Es erwartet uns eine Gemeinde der Senioren. Auch unsere älteren Gemeindemitglieder finden dann nicht mehr zu unserer Gemeinde, da ja auch der Schulbus für den Transport alter und gehbehinderter Menschen fehlen würde.
Gerade die Vielfalt der Generationen ist Garant dafür, dass unsere Gemeinde so lebendig ist. Jung und Alt brauchen einander. Haben sich die Verantwortlichen im Bistum überhaupt darüber Gedanken gemacht?
Das wirtschaftliche Gutachten der Firma Ernst & Young soll angeblich die Zahlen liefern, die diese Entscheidung begründen sollen. Dabei wurde jedoch nicht die Notwendigkeit beachtet, wie dann der  Glaube in den Gemeinden gefestigt und gefördert werden kann. Eine Missionierung in Hamburg und Umgebung führt doch eher zu mehr Einnahmen. Der jetzige Weg führt sicherlich in die falsche Richtung. Um aus dem Status der Diaspora herauszukommen, sind Investitionen nötig, die von der ganzen Kirche zu tragen sind. Gab es vom Bistum Hamburg hierzu schon Bemühungen? Bei der Pressekonferenz wurde lediglich die finanzielle Seite erwähnt und weitere Schließungen kirchlicher Einrichtungen, außer den 8 Schulen, für nötig gehalten. Was bedeutet das? Es fehlt die Transparenz.
Am Mittwoch den 24. Januar 2018 gab es in der Sophien Schule einen Informationsabend, bei welchem unter anderem Generalvikar Ansgar Thimm und der Leiter der Hochschulen für Hamburg, Dr. Christoph Heap, ihre Entscheidungen den Eltern und Gemeindemitgliedern vortrugen. Die oben beschriebene Situation, welche bei einer Schließung die Folge wäre, wurde den Verantwortlichen von einigen Eltern und Gemeindemitgliedern aufgezeigt. Man hatte den Eindruck, dass die Verantwortlichen diese einfach in Kauf nehmen. Die katholische Kirche in Hamburg scheint nicht mehr christlich und sozial zu denken, sondern möchte sich wie ein Wirtschaftsunternehmen aufstellen. Doch kann man Kirche und Schule wirklich wirtschaftlich denken? Ist nicht der christliche Auftrag der Kirche, Menschen zu Gott zu führen und diese zu missionieren? Wo, wenn nicht in Schule kann dies besser gelingen? Kirche ist nicht der richtige Ort, um wirtschaftlich zu denken. Denn im Glauben geht es gerade darum, den sozial schwachen und Armen zu helfen. Doch die neuesten Entscheidungen der Kirche sprechen massiv gegen diesen Auftrag. Betrachtet man die acht Schulen genauer, welche geschlossen werden sollen, so fällt auf, dass es vor allem Bildungshäuser trifft in Stadtteilen, in denen sozial benachteiligte Familien leben. Der Sophien Schule und dem Stadtteil  Barmbek geht es wirtschaftlich noch sehr gut, warum es gerade diese Institution trifft, ist eine weitere Frage, die sich hier eröffnet. Die Angst entsteht, dass es den Verantwortlichen weniger um die Schule geht, sondern dass sie eher eine Rechtfertigung suchen, als nächstes die Kirche Sankt Sophien zu schließen. Denn es wurde in der Presse schon angekündigt, dass die Schließung der Schulen nur ein erster Schritt sei. Als nächstes plane man, Kirchen und andere katholische Institutionen zu schließen. Wenn man die Sophien Schule schließt, nimmt man unserer Gemeinde die Hauptschlagader, welche unsere Kirche so jung und lebendig macht – die Kinder und Familien. Auch dieses Argument wurde den Verantwortlichen auf dem Informationsabend unterbreitet. Da es nur ein Statement war und keine Frage, gab es von Seite der Kirche keine genaue Antwort darauf, sondern nur ein mitleidiges, bejahendes Nicken. Schon wieder entsteht das Gefühl, dass den Verantwortlichen diese Misere bewusst ist, sie diese aber in Kauf nehmen!
Wir haben bereits mit dem Pastoralen Raum zu kämpfen – es werden schon Gemeinden zusammengelegt wegen der besseren Finanzierung. Den Gemeinden wird das Ganze als eine Chance verkauft, hier selbst für die Gestaltung einer besseren Gemeinschaft zu sorgen. Statt 6.000 Gemeindemitglieder werden wir dann 24.000 Mitglieder werden. Alle geleitet von einem Pfarrer.
Unser Pastoraler Raum setzt sich aus den Gemeinden Sankt Josef (Altona) mit Sankt Theresien, Sankt Ansgar (Innenstadt), Sankt Marien mit Sankt Erich und unserer Gemeinde Sankt Sophien zusammen. Zurzeit haben wir drei Grundschulen. Alle drei sollen aber geschlossen werden! Es wird schwierig werden, die Kinder und Jugendlichen für die Kirche zu begeistern. Dieses leisten zum größten Teil die Kindergärten und Schulen. Ohne Schulen und mit reduzierter Anzahl von Geistlichen ist das kaum zu schaffen. Die Verantwortung auf die Gemeindemitglieder zu verschieben, ist sehr fragwürdig
 
Gleich nach der Verkündung der schlechten Nachricht trafen sich viele Menschen am 20. Januar 2018 im Mariendom zur Vorabendmesse, um ihre Besorgnis zum Ausdruck zu bringen. Bereits lange vor der Messe waren alle Sitzplätze belegt. Viele verfolgten die Messe im Stehen, weil sie keinen Platz in den Bänken mehr bekommen hatten. In den Fürbitten wurde auch für die Erleuchtung der Verantwortlichen durch den Heiliger Geist gebetet. Anschließend gab es eine Prozession um den Dom.
Es gab und gibt viele weitere solcher Aktionen und sie zeigen genau das, wofür die Kirche steht – wenn man sich streitet, dann mit Respekt und ohne Gewalt! Initiiert wurden diese Proteste von den Eltern und Schülern der katholischen Schulen. Gelehrt wurde ihnen das an den Schulen, die unter anderem jetzt geschlossen werden sollen. Dies zeigt einmal mehr, wie dringend notwendig es ist, dass diese erhalten bleiben müssen!
Die Schüler und Eltern verhalten sich sehr christlich, sie bauen jetzt auf ihren Glauben und beten und halten Gottesdienste – wer soll diese christliche Kompetenz an die weiteren Generationen weitergeben, wenn es bald acht katholische Schulen weniger in Hamburg geben soll? Das Bistum zeigt sich in der Öffentlichkeit weniger christlich. Es lässt ihre Gläubigen mit dem Schmerz allein. Selbst der Bischof hat sich noch nicht getraut, ein öffentliches Statement abzugeben. Die Nachricht über die Schließung der Schulen mussten die Lehrer den Kindern überbringen und sie anschließend ins Wochenende entlassen. Viele Kinder haben geweint und es gab keine Seelsorger, die sie auffangen konnten – ist das christlich?